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Studienreise Amsterdam 2026, 3D
Impressionen
Reisebericht
Klasse 3D, Schwerpunktfach Philosophie-Psychologie-Pädagogik (20.9.–25. September 2026), Begleitung: Andreas Cremonini, Sylvia Zihlmann
Einleitung
Amsterdam im 17. und 18. Jahrhundert war ein Experimentierfeld der Freiheit. Eine Handelsrepublik ohne König, in der Kaufleute und nicht Fürsten den Ton angaben, bot Denkern, Glaubensflüchtlingen und Verfolgten einen Raum, den es im übrigen Europa kaum gab. Spinoza, Descartes und Locke fanden hier Zuflucht, Verleger druckten, was anderswo der Zensur zum Opfer fiel, und sephardische Juden sowie verfolgte Protestanten und Katholiken bauten sich ein Leben auf. Diese Freiheit hatte Grenzen, und gerade deshalb lohnt sich der genaue Blick.
Unsere Studienreise verstand Amsterdam als Beispiel europäischer Frühaufklärung. Die einzelnen Programmpunkte folgten den Leitfragen unseres Schwerpunktfachs Philosophie-Psychologie-Pädagogik: Wie weit reichen Religionsfreiheit und Toleranz? Was bedeutet liberales Denken in der Praxis? Und wo endet Freiheit, wenn Gemeinschaft, Moral und Macht ins Spiel kommen? Der «Weg der Freiheit» führte uns zu den Denkern, die portugiesische Synagoge und das «Namenmonument» (Holocaust-Denkmal) zeigten Zuflucht und Vernichtung als zwei Seiten derselben Geschichte, und die Schuilkerk «Ons' Lieve Heer op Solder» machte begreiflich, was geduldete, aber nicht öffentliche Religionsausübung heisst. Das Konzert des West-Eastern Divan Orchestra fragte nach der Rolle der Kunst in politischen Konflikten, und das Rijksmuseum zeigte, wie ein selbstbewusstes Bürgertum sich selbst darstellte. Die folgenden Berichte halten unsere Eindrücke und Gedanken zu diesen Stationen fest.
Dienstag, 21.9.2026, Vormittag: Weg der Freiheit
Am Dienstagmorgen unternahmen wir eine Stadtführung zum Thema Aufklärung. Sie war ein gelungener Auftakt unserer Studienreise: Wir gewannen einen ersten Eindruck der Stadt, orientierten uns an den wichtigsten Plätzen und lernten dabei die Philosophen kennen, die hier einst gelebt und gewirkt haben.
Die Führung auf dem «Camino of Freedom» machte uns bewusst, wie kostbar Freiheit und selbstständiges Denken sind. Sie erzählte die Geschichte Amsterdams aus der Perspektive der Denker und Aufklärer des 17. und 18. Jahrhunderts. Weil ihre Gedanken zu ihrer Zeit als radikal galten, mussten manche von ihnen ihre Heimat verlassen. Für viele wurde das «freie» Amsterdam, eine Handelsstadt ohne König, zur neuen Heimat, da sie dort deutlich mehr Spielraum hatten. Allerdings gab es auch hier Grenzen: Baruch Spinoza etwa wurde von seiner jüdischen Gemeinde ausgeschlossen, weil er behauptete, Gott und Natur seien identisch.
Der «Camino of Freedom» war damit eine äusserst interessante Führung, die sich hervorragend mit unserem Schwerpunktfach Philosophie verbinden liess.
Dienstag, 21.9.2026, Nachmittag: Jüdisches Amsterdam
Am Nachmittag besuchten wir die Portugiesische Synagoge, wo wir eine aufschlussreiche Führung erhielten. Im Innenraum erfuhren wir, dass in orthodoxen Synagogen die Frauen auf den oberen Galerien sitzen, während die Männer unten Platz nehmen. Anschliessend führte uns der Weg über den Innenhof in weitere Teile des Gebäudekomplexes, unter anderem dorthin, wo die Kinder unterrichtet werden.
Danach gingen wir ins Quartier zum «Namenmonument». Es besteht aus hohen Mauern aus Ziegelsteinen, auf denen jeweils ein Name und ein Alter eingraviert sind, jeder Stein steht für eine jüdische Person, die aus den Niederlanden deportiert und grösstenteils in Auschwitz ermordet wurde. Auf den Mauern sind gezielt geformte Spiegel angebracht: Wer aus der Vogelperspektive, etwa aus einem Helikopter, darauf hinabblickt, kann auf Hebräisch die Worte «in Gedenken» lesen.
Die Führung endete in einem ehemaligen Theater, das während der deutschen Besatzung als provisorisches Gefängnis für Jüdinnen und Juden gedient hatte. Sowohl das Denkmal als auch das Theater hinterliessen bei uns einen tiefen Eindruck. Zugleich half uns die Führung, uns in der Stadt besser zurechtzufinden und sie genauer kennenzulernen. Der Nachmittag war somit überaus lehrreich.
Dienstag, 21.9.2026, Abend: Concertgebouw – Barenboim: West-Eastern Divan
Am Dienstagabend besuchten wir gemeinsam als Klasse das Konzert von Daniel Barenboim im Concertgebouw. Wir sassen auf den oberen Rängen und hatten einen guten Blick auf das Orchester. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, und das Publikum wartete gespannt auf den Beginn. Daniel Barenboim, der bekannte Pianist und Dirigent, machte mit seiner Tour in Amsterdam Halt, und der lange, laute Applaus am Ende jedes Stücks zeigte, wie sehr er hier geschätzt wird.
Das West-Eastern Divan Orchestra spielte Werke von Schubert, Wagner und Schumann. Seine Zusammensetzung ist einzigartig: Israelische und arabische Musikerinnen und Musiker finden sich trotz des Nahostkonflikts zusammen, um gemeinsam zu musizieren. Ihr Anliegen ist es, durch Musik und Zusammenarbeit das zu heilen, was die Politik zerrissen hat. Das war einer der Gründe, weshalb uns das Konzert als Klasse so beeindruckt hat. Obwohl wir einer Generation angehören, die selten ins Orchester geht, haben uns die aufgeführten Werke sehr gefallen. Solche Erfahrungen sollten in künftigen Studienreisen nach Amsterdam unbedingt beibehalten werden.
Mittwoch, 22.9.2026, Vormittag: Grachtenfahrt
Am Mittwochvormittag unternahmen wir gemeinsam eine Grachtenfahrt durch die Kanäle Amsterdams. Sie überzeugte vor allem durch das reizvolle Panorama und den Einblick ins Herz der Stadt. Vom Wasser aus nimmt man die Architektur Amsterdams auf ganz neue Weise wahr, und das wahre Ausmass der Grachten und des Brückennetzes erschliesst sich erst, wenn man es hautnah erlebt. Jahrhundertealte Brücken spannen sich wie ein Spinnennetz über die kilometerlangen Wasserwege und schützen die Fussgänger darunter.
Die Kanäle durchschneiden die turbulenten Menschenmassen der Stadt, und auf der Fahrt zogen unter anderem ein mittelalterlicher Wachturm, ein jahrhundertealtes Rathaus, alte Familiensitze und ein Markt an uns vorbei. Dieser unscheinbare Markt besteht seit langer Zeit und ist ein Knotenpunkt der Stadt: Hier treffen sich die Menschen nicht nur zum Handeln, sondern auch, um Kontakte zu pflegen, Kultur zu erleben und sich als Teil der Stadtgeschichte und ihrer Traditionen zu fühlen.
Abschliessend lässt sich sagen, dass die Grachtenfahrt weit mehr war als eine blosse Rundfahrt: Sie gab uns einen tiefen Einblick in Kultur und Geschichte Amsterdams.
Donnerstag, 23.9.2026, Vormittag: Rijksmuseum
Am Donnerstagvormittag besuchten wir das Rijksmuseum, das Nationalmuseum der Niederlande. Schon die Eingangshalle mit ihrer Höhe und den neugotisch anmutenden Bögen stimmte uns auf einen besonderen Besuch ein. Im Zentrum des Rundgangs stand die Kunst des Goldenen Zeitalters, jener Epoche, in der Amsterdam zu Reichtum und Selbstbewusstsein gelangte und in der ein wohlhabendes Bürgertum begann, sich selbst und seine Welt in Bildern festzuhalten.
Den Höhepunkt bildete Rembrandts «Nachtwache» in der eigens dafür gestalteten Galerie. Das Gemälde ist weit grösser, als man es von Abbildungen kennt, und wirkt unmittelbar durch seine Dynamik: Eine Schützengilde unter Hauptmann Frans Banninck Cocq setzt sich in Bewegung, Trommler, Fahnenträger und Musketiere drängen durcheinander, und ein helles Mädchen im Hintergrund zieht den Blick zusätzlich an. Rembrandt verzichtete auf die damals übliche, steife Reihung der Porträtierten und machte aus dem Gruppenbild eine Szene voller Leben. Dass der Titel «Nachtwache» nicht ursprünglich ist und das Bild erst durch nachgedunkelten Firnis düster wirkte, überraschte uns. Besonders eindrücklich war für uns zudem, dass die Restaurierung des Werks im Museum öffentlich einsehbar ist: Das Kunstwerk wird nicht nur ausgestellt, sondern vor den Augen der Besucher erforscht und bewahrt.
Ein ganz anderes Bild des Lebens im Goldenen Zeitalter zeigten uns die beiden Trinkergemälde von Frans Hals, der «Lachende Kavalier» und der «Fröhliche Zecher». Mit raschen, fast skizzenhaften Pinselstrichen hielt Hals flüchtige Augenblicke fest, ein Lachen, einen erhobenen Becher, einen leicht verschmitzten Blick. Während Rembrandt Gewicht und Dramatik sucht, begegnet uns bei Hals die Unmittelbarkeit des Alltags. Die Figuren wirken lebendig, fast so, als würden sie uns gleich ansprechen. Für unser Schwerpunktfach war interessant, dass solche Bilder nicht nur Vergnügen darstellen, sondern auch die Frage nach Mass und Laster aufwerfen: Zeigen sie unbeschwerte Lebensfreude oder warnen sie vor Trunkenheit und Leichtsinn?
Beide Künstler machten uns deutlich, dass Amsterdam nicht nur ein Ort des Handels, sondern auch ein Ort war, an dem der Einzelne und die Gemeinschaft sichtbar werden wollten. Das Rijksmuseum verband damit auf eindrückliche Weise Kunst und Geschichte und passte hervorragend zum Thema unserer Reise.
Donnerstag, 23.9.2026, Nachmittag: Ons' Lieve Heer op Solder
Am Donnerstagnachmittag besuchten wir das Museum «Ons' Lieve Heer op Solder», auf Deutsch «Unser Herr auf dem Dachboden». Dahinter verbirgt sich eine katholische Kirche, die im 17. Jahrhundert in einem von aussen unscheinbaren Haus eingerichtet wurde. Ein Kaufmann liess sie erbauen, damit Katholiken ihren Glauben im Privaten ausüben konnten, denn die öffentliche Ausübung war zu jener Zeit verboten.
Zuerst besichtigten wir die Wohnräume des Hauses: Schlafzimmer, Küche und Esszimmer, die für eine wohlhabende Familie jener Zeit durchaus typisch waren. Anschliessend stiegen wir hinauf zur Kirche. Sie erstreckt sich über drei Stockwerke, und obwohl der Raum schmal und klein ist, verleiht ihm die bemerkenswerte Höhe das erhabene Gefühl einer katholischen Kirche. Die rosafarbenen Balkone und die seitlichen Holzbänke wurden von Nonnen bemalt, um das Holz zu konservieren. Sonnen- und Kerzenlicht erhellen gemeinsam den Raum und das auf dem Altar hängende Gemälde, das die Taufe Jesu darstellt. Auch der Altar selbst besteht aus Holz, wurde aber so bemalt, dass er wie Marmor wirkt, um den Eindruck eines prachtvollen Gotteshauses zu erzeugen.
Dank unseres ausgezeichneten Führers wurde der Besuch zu einer unvergesslichen Erfahrung, und wir würden «Ons' Lieve Heer op Solder» allen Besucherinnen und Besuchern Amsterdams unbedingt weiterempfehlen.














